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Hülsenfrüchte aus Sicht der TCM

In diesem Artikel möchte ich dir die Hülsenfrüchte aus Sicht der TCM einmal genauer vorstellen. Diese kleinen Kraftquellen dürfen in keiner Küche fehlen und sind besonders für unsere Nierenkraft von großer Bedeutung. 

Zuerst aber ein kurzer allgemeiner Überblick:

Hülsenfrüchte gehören botanisch zur Familie der Leguminosen. 

In der Diätetik werden Hülsenfrüchte allgemein der Kategorie „Getreide und Samenfrüchte“ zu geordnet.

Ihr Temperaturverhalten ist neutral, einige tendieren zur Kühle.  

Ihr Geschmack ist süß, sie werden dem Elementen Erde und Wasser zugeordnet und sie stärken Milz und Niere. Grundsätzlich ist das Temperaturverhalten von Hülsenfrüchten ausgewogen und kommt nicht in die Nähe von Extremen wie Kälte oder Hitze. Weiters kann man mit Hülsenfrüchten Feuchtigkeit/Schleim/Schlacken ausleiten.

Hülsenfrüchte sind reich an Eiweiß, Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Vitaminen (B), Mineralien und Spurenelementen (Eisen, Kupfer, Zink) und daher sehr nährend (aber auch schwer verdaulich).

Für Vegetarier sind sie wegen des hohen Eiweißgehalts eine wichtige Nahrungsquelle. Optimalerweise sollten sie mit Getreide ergänzt werden. Der Grund dafür ist, dass am Eiweiß Aminosäuren fehlen, welche sich im Getreide wiederfinden. Dadurch werten sich diese Beiden Nahrungsmittelgruppen gegenseitig auf, denn jee höher die Wertigkeit umso geringere Mengen braucht der menschliche Körper.

In vielen traditionellen Küchen findet man diese Nahrungsmittelkombinationen wieder wie z.B. in Südamerika: Dort bekommt man Mais mit Bohnen. In Asien werden Reis mit Linsen gereicht und in Afrika stehen Hirse mit Kichererbsen am Speiseplan. 

Hülsenfrüchte stärken zudem auch das Blut, Qi und Yin, sie sind reich an pflanzlichem Eiweiß  und leider auch schwer verdaulich (sie können Blähungen, Verdauungsbeschwerden verursachen).

Doch es gibt einen Trick bei der Zubereitung, damit sie nicht diesen negativen Effekt haben und zwar:

  • Einweichen
  • Einweichwasser weggießen
  • Hülsenfrüchte gut abspülen
  • weichkochen, dabei Salz und Essig erst am Ende des Kochens dazugeben (um Weichwerden nicht zu beeinträchtigen)
  • Blähungsmindernde Gewürze hinzugeben: (Kreuz)Kümmel, frischen Ingwer, Bohnenkraut, Chili, Koriander 

Neueinsteiger: zu Anfangs nur kleinere Mengen essen (aber regelmäßig), Verdauungskraft wird trainiert (Bildung der Verdauungsenzyme wird angeregt)

                       

Leichter verdaulich sind Erbsen, Linsen und Mungbohnen. 

Am schwersten verdaulich sind gelbe und schwarze Sojabohne (Tofu ist jedoch leichter verdaulich)

Bei Trockenheit die Hülsenfrüchte zusätzlich mit Algen kochen und hochwertigem Öl ergänzen. 

 

Überblick über die unterschiedlichen Wirkungen der Hülsenfrüchte: 

  • Schwarze und gelbe Sojabohnen sind neutral und süß und unterstützen den Wirkmechanismus der „Mitte“, d.h. sie halten den Funktionskreis Milz trocken und befeuchten den Funktionskreis Magen. Aufgrund ihres besonderen Bezugs zum Funktionskreis Niere wird die Schwarze Sojabohne besonders bei Leere des Funktionskreis Niere ( z.B. im Alter) empfohlen. Da sich mit ihr auch Wind Feuchte vertreiben lässt, wird sie bei rheumatoiden Schmerzen verwendet. Grundsätzlich sind die aus gelben Sojabohnen gewonnenen Produkte bekömmlicher als die gekochten Sojabohnen selbst. 
  • Erbsen füllen die „Mitte“ auf, und kommen mit ihrer ausgleichenden Wirkung gleich hinter den gelben Sojabohnen. Außerdem werden sie empfohlen bei Brechdurchfall auf Grund von einer Unausgewogenheit der Funktionskreise Milz und Magen.
  • Azukibohnen haben ein neutrales Temperaturverhalten und einen süß sauren Geschmack. Sie wirken auf die Funktionskreise Milz und Dickdarm. Da sie relativ stark Feuchtigkeit ausleiten, entgiften und desinfizieren, sind sie angezeigt bei Entzündungen und Hauterkrankungen aufgrund von Feuchte Hitze.
  • Mungbohnen sind die kühlste Bohnenart. Sie wirkt auf den Funktionskreis Magen, aber auch auf den Funktionskreis Herz, hat kühlende und entgiftende Wirkung und ist besonders geeignet bei Hitze oder Feuchte Hitze.  
  • Puffbohnen (Saubohne oder dicke Bohne) sind  bei Blutungen, die auf eine Leere der Funktionskreise Milz und Magen zurückzuführen sind, zu empfehlen. 
  • Schwarze Bohnen sind das beste Nieren Yang Tonikum. Sie sollten lange und unter Druck gekocht werden- für den besten Erfolg zusammen mit Kombu- Algen. Weitere Zutaten aus der erwärmenden Kategorie: Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, Ingwer Schnittlauch und Frühlingszwiebeln. 
  • Linsen stärken Qi und Blut, transformieren Nässe und Feuchtigkeit und wirken abführend.

Bei regelmäßigen Verzehr von Hülsenfrüchten ( 1x wöchentlich)wird die Bildung des Verdauungsenzyms angeregt und dadurch die Verdaulichkeit verbessert. Bei Trockenheit sollten Hülsenfrüchte zusätzlich mit Algen und Meersalz gekocht und mit Öl serviert werden. 

 

 

 

Quellen:

  • Chinesischer Diätetik von Engelhard und Hempen, Urban Fischer Verlag
  • Manuela Heider de Jahnsen: Das große Handbuch der Chinesischen Ernährungslehre, Windpferdverlag

© Copyright by Claudia Austerer

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Kommentare: 2
  • #1

    Alexandra (Samstag, 29 August 2020 12:58)

    Danke für den schönen Beitrag.
    Gibt es noch speziell was zu Kidneybohnen und Kichererbsen zu sagen? Wirken alle Linsen gleich? Also rote, gelbe und grüne?

  • #2

    Claudia Austerer (Samstag, 29 August 2020 14:14)

    Liebe Alexandra. Sehr gerne.
    Kichererbsen sind kühl und süß und stärken eher das Qi. Helfen wunderbar bei Brustenge, PMS, Reizbarkeit,
    Kidneybohnen haben einen starken Nierenbezug und stärken das Yin und Blut.
    Linsen wirken sehr ähnlich. je dunkler, desto mehr Nierenbezug haben sie.